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@thyseus
Created August 12, 2013 20:56
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Indem die Natur die Zahl der Weiber der der Männer nur
knapp gleich machte und dennoch den Weibern eine nur halb
so lange Zeit hindurch die Fähigkeit zur Zeugung und Tauglichkeit
für den Genuß des Mannes verlieh, hat sie das menschliche
Geschlechtsverhältnis schon in der Anlage derangiert. Durch
die gleiche Zahl scheint sie auf Monogamie zu deuten: hingegen
hat ein Mann an einem Weibe nur für die halbe Zeit seiner
Zeugungsfähigkeit Befriedigung; er müsste also eine zweite
nehmen, wenn die erste verblüht ist; aber es ist für jeden
nur eine gerechnet worden. Was dem Weibe' an Dauer der
Geschlechtstauglichkeit abgeht, hat es wieder an Maß derselben
voraus: es ist fähig, zwei bis drei tüchtige Männer zu gleicher
Zeit zu befriedigen, ohne zu leiden. In der Monogamie benutzt
es nur die Hälfte seiner Fähigkeit und befriedigt nur die Hälfte
seiner Wünsche.
Sollte nun dies Verhältnis, nach bloßer, physischer Rücksicht
(und es gilt ein physisches höchst dringendes - Zweck der Ehe
bei Juden und Christen - Bedürfnis) geordnet und bestmöglichst
ausgeglichen werden: so müssen zwei Männer stets ein Weib zusammen
haben: die sie beide jung nehmen: nachdem diese verblüht ist,
nehmen sie eine zweite ebenso junge dazu, welche dann
ausreicht bis beide Männer alt sind. Beide Weiber sind versorgt
und jeder Mann hat nur die Sorge für eine.
In der Monogamie hat der Mann auf einmal zu viel und auf
die Dauer zu wenig; und das Weib umgekehrt.
Bei der vorgeschlagenen Einrichtung hat der Mann in der
Jugend, wo sein Besitz am geringsten zu sein pflegt, nur für
ein halbes Weib, wenige und kleine Kinder zu sorgen: später,
wo er reicher ist, für ein oder zwei Weiber und viele Kinder.
Weil die Einrichtung nicht besteht, sind die Männer die
Hälfte ihres Lebens Hurer und die andere Hälfte Hahnreie; und
die Weiber zerfallen demgemäß in Betrogene und Betrügerinnen.
Wer jung heiratet, schleppt sich nachher mit einer alten Frau:
wer spät heiratet, bekommt erst venerische Krankheiten, dann
Hörner. Das Weib muB entweder die Blüte ihrer Jugend einem
schon verblühten Manne opfern, oder nachher empfinden, daß sie
einem noch rüstigen Manne kein tauglicher Gegenstand mehr
ist. - Allen diesen Leiden hilft die Vorgeschlagene Einsicht ab;
das Menschengeschlecht würde seines Lebens froher. Was dagegen
zu sagen, ist:
1. daß man seine Kinder nicht kennen würde. Antwort:
das wäre durch die Ähnlichkeit und andere Umstände meistens
doch noch zu entscheiden: auch jetzt ist's nicht immer gewiß.
2. Ein solches Verhältnis von dreien gibt zu Streit und Eifersucht
Anlaß - Antwort: die finden sich überall: man muß sich schicken lernen.
3. Wie ist es mit dem Vermögen? Antwort: das wird
ganz anders eingerichtet, unmittelbare Communio bonorum
findet nicht statt. Wie gesagt: die Natur hat das Verhältnis
schlecht angelegt; man wird es daher nie ohne üble Umstände
einrichten.
So wie es jetzt ist, streiten Pflichten und Natur unablässig.
Dem Mann ist es unmöglich, den Geschlechtstrieb von seinem
Entstehen bis zu seinem Ende auf eine legale Art zu befriedigen.
Es sei denn, daß er jung Witwer würde. Dem Weibe ist die
Beschränktheit auf einen Mann, die kürzere Zeit ihrer Blüte
und Tauglichkeit hindurch, ein unnatürlicher Zustand. Sie soll
für einen bewahren, was er nicht brauchen kann, und was viele
andere von ihr begehren, und sie soll selbst bei diesem Versagen
entbehren. Man ermesse es!
Besonders da noch hinzukommt, daß zu jeder Zeit die Zahl
der zum Beischlaf tüchtigen Männer die doppelte ist der dazu
tauglichen Weiber, weshalb jedes Weib beständige Anfechtungen
findet, sie schon von selbst diesen entgegensieht, sobald ein Mann
ihr nahe kommt.
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